08.07.2011 Am Flughafen brummt‘s


Am Flughafen brummt‘s André Jung hat alle Hände voll zu tun. Der Arbeitsvermittler der Limburger Agentur für Arbeit betreut ausschließlich Unternehmen am Frankfurter Flughafen. Das hat seinen Grund: „Der-zeit gibt es 4.000 offene Arbeitsstellen an Deutschlands größtem Airport. Und in den nächsten zwei Jahren kommen weitere 25.000 hinzu“, sagt der 27jährige Niederselterser. Der Umstand, dass es im Rhein-Main-Gebiet kaum mehr qualifiziertes Personal gebe, eröffne Arbeitssuchenden aus dem Kreis Limburg-Weilburg beste Vermittlungschancen, fügt er hinzu.

Jessica Hartmann will diese Chancen nutzen. Die 25jährige Fremdsprachensekretärin aus Würges hat zehn Stellenangebote mit Jung besprochen und wird sich schnellsten bewerben.

Auf die Schnelligkeit komme es entscheidend an, betont Jung. Der Umschlag der Stellen sei enorm. Der Arbeitsvermittler pendelt ständig zwischen Limburg und dem Flughafen. Seine Stellen erhält er entweder direkt von den großen Unternehmen am Drehkreuz Frankfurt oder von der „Airport-Agentur“, einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit direkt auf dem Flughafengelände. Acht Mitarbeiter betreuen dort 500 Unternehmen, die händeringend Personal suchen. „Gesucht wird nahezu alles: Piloten, Flugbegleiter, aber auch Erzieherinnen, Kran-kenschwestern, Zahnarzthelferinnen, Tierpfleger, Gebäudereiniger oder Kraftfahrer. Vor allem aber Lager- und Sicherheitsmitarbeiter stehen auf den Wunschzetteln der Personalrekrutierer“, weiß der junge Mann mit dem Dreitagebart. Gleiches gelte für Bürofachkräfte aller Art. „Gelernte Speditionskaufleute sind so gut wie ausverkauft“, witzelt Jung. Deswegen hätten Quereinsteiger sehr gute Arbeitsmarktchancen. Allerdings würden die spezifischen Anforderungen der Cargo-Unternehmen häufig eine mehrmonatige Einarbeitung erfordern. An dieser Stelle kämen Zeitarbeitsunternehmen ins Spiel, die einen Großteil der Qualifizierung „on the Job“ übernehmen. Die Zeitarbeiter würden dann meist durchgehend bei einem Entleih-Betrieb eingesetzt und nach der intensiven Einarbeitung von diesem unbefristet eingestellt. Die Übernahmequote beziffert Jung bei den Kaufleuten auf nahezu neunzig Prozent. Die langfristige Beschäftigungsperspektive am Rhein-Main-Airport sei sein bestes Vermittlungsargument.

Am Flughafen brummt‘s Warum man bei einem so großen Personalbedarf noch einen Arbeitsvermittler benötigt, weiß Jung schnell zu beantworten. Das Angebot sei für den Einzelnen zu komplex und nicht überschaubar. Die meisten Unter-nehmen erwarten passgenaue Bewerbungen. Das müsse er im Vorfeld detailliert mit den Arbeitssuchenden besprechen. Zudem gebe es Mindestqualifikationen, die er vor dem Vermittlungsvorschlag prüft. „Wenn der Arbeitgeber die Durchschrift meines Vorschlags in der Hand hält, weiß er, dass der Bewerber passt.“

Bedenken, dass er der heimischen Region Fachkräfte entziehe, hat der Mitarbeiter der Arbeitsagentur nicht, ganz im Gegenteil: „Täglich pendeln 26.000 Menschen aus unserem Kreis aus, weil es hier nicht für jeden von ihnen Arbeit gibt. Den 1.000 gemeldeten offenen Stellen in unserem Agenturbezirk stehen noch immer nahezu 5.000 Arbeitslose gegenüber. Es wäre fahrlässig, den Betroffenen die Arbeitsstellen in Frankfurt nicht zu erschließen.“

Zu Jungs Aufgaben gehört es, falsche Vorstellungen auf Seiten der Arbeitssuchenden zu korrigieren. „Fast jede Bürokraft ist davon überzeugt, dass man ohne Englischkenntnisse keine Chance am Fraport hätte. Dabei ist das bei den meisten Stellen überhaupt kein Kriterium.“ Geduldig erläutert der studierte Sozialarbeiter den Jobsuchenden auch, wie man jedes Cargo-Gebäude mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Er weiß, welche Unternehmen Jobtickets finanzieren und wo es eine Mitfahrzentrale für die Pendler gibt. Als größtes Handicap bei der Vermittlung erweise sich die Schichtarbeit. Neun von zehn Arbeitsplätzen müssten rund um die Uhr besetzt sein. Der Flughafen schlafe eben nicht.

All dies ist für Jessica Hartmann kein Problem. Sie faltet die Vermittlungsvorschläge in ihre Handtasche und vereinbart mit dem Arbeitsvermittler, dass der nochmal über ihre Online-Bewerbungen schaut. „Am Fraport brummt das Personalgeschäft. Wenn die Bewerbung okay ist, wird Frau Hartmann nicht zuletzt wegen ihrer Motivation Erfolg haben“, sagt der Airport-Vermittler in der Gewissheit, wieder eine Kundin an den Flughafen vermittelt zu haben. Es wäre die Zehnte in diesem Monat.

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