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Marienhof: Landwirtschaft neu gedacht


Ein „Jungbauer“, der bei der Hofübernahme schon eine Karriere als Versicherungsmakler und Unternehmensgründer hinter sich hat, einer, bei dem auf dem Traktor stets Visitenkarten bereit liegen und der unter anderem einen italienisches Sportwagen als Alltagsauto fährt, einer, der nach eigener Auskunft „schon immer ein bisschen vielseitig und bunt unterwegs“ war: Bei traditionellen Landwirten und den für sie zuständigen Behörden stößt so jemand schnell auf Vorbehalte. „Am Anfang habe ich diese Vorbehalte wirklich unterschätzt“, sagt Dirk Krämer. Der Anfang, das war für ihn die Zeit vor rund fünf Jahren, als er sich intensiv mit Landwirtschaft befasste. Inzwischen ist er einen großen Schritt weiter: Krämer gestaltet einen Bauernhof am Ortsrand von Eisenbach zum Biobetrieb mit 57 Hektar Land, Rinderzucht, Gemüseanbau, Fischwirtschaft und Eventgebäude um - alles auf Bio-Standard.

Hofgründung nach Unternehmerart

Ein Stück weit hat Dirk Krämer sich als Landwirt neu erfunden. „Von der digitalen Welt mit 200 Mails am Tag in die analoge Welt“, sagt er. Zugleich macht er aber auch so weiter wie in den 20 Jahren zuvor, als er sein Versicherungsmaklerbüro zur Benefit AG ausbaute, die sich auf anspruchsvolle Versicherungslösungen für Firmenkunden spezialisiert. Als es auf den Verkauf von Benefit zuging, der 2018 final umgesetzt wurde, reifte bei ihm der Entschluss heran, mit voller Energie in das Projekt Landwirtschaft einzusteigen. Auch diesen Plan geht er als Unternehmer an, der sich um den effizienten Einsatz seiner Finanzmittel ebenso kümmert wie um die Koordination der Bauarbeiten und den Vertrieb der Produkte.
Berührungspunkte zur Landwirtschaft gab es aber schon zuvor. Den Grundstein legte vielleicht der Bauernhof der Großeltern in Wirbelau. Später gehörten große Höfe zu seinen Versicherungskunden. 2013 gründete er Krämer das Unternehmen Iron Creek „food and beverage“, das eine Ölmühle betreibt und Olivenöl verkauft. Den Anstoß dazu gaben Freunde, die verwandtschaftliche Beziehungen zu Olivenbauern in Griechenland haben.

Begeistert für eine tolle Pflanze

In Eisenbach legte er sich dann ein Wiesen-Freizeitgrundstück zu. Für den kleinen Traktor und einige Geräte zur Grundstückspflege ließ er dort einen Unterstand bauen. „Und da bekam ich dann plötzlich Ärger mit Behörden, denn den Unterstand sollte ich nicht bauen dürfen“, berichtet Krämer. Auf den Einwand, dass zahlreiche Nebenerwerbslandwirte ähnliche Schuppen errichten, bekam er die Auskunft: „Die dürften das auch, denn die sind als Landwirte privilegiert.“ Also stellte Dirk Krämer sich die Frage, wie auch er an ein solches Privileg herankommen könnte. Außerdem schaute er sich die Bombastuswerke in Freital bei Dresden mit 42 Hektar Salbeianbau an und bei Peter Klein dessen Biobetrieb Terra Salvia, der in Gaudernbach auf dem Bombastushof Salbei und andere Kräuter im Biobetrieb anbaut. „Da war ich infiziert: Salbei ist eine tolle Pflanze und der Anbau ist auch lukrativ“, blickt Krämer zurück. Auch ein anderer Freund, Prof. Dr. Andreas Gattinger, an der Uni Gießen Professor für biologischen Landbau, gab wichtige Impulse.
So begann Krämer mit den ersten paar Reihen Salbei auf einem Feld. Schon bald stand für ihn fest, einen Teil des Erlöses und der frei werdenden Zeit aus dem bevorstehenden Verkauf von Benefit für den professionellen Einstieg in die Landwirtschaft einzusetzen. Ende 2015 einigte er sich mit dem Eigentümer des Marienhofs am Eisenbacher Ortsrand, im Mai 2018 übernahm er den Hof mit Acker- und Grünland komplett. Seitdem wird dort umgebaut. Ein großzügig belüfteter Laufstall für die Rinder wurde vor wenigen Tagen fertig. Wasserbüffel, ein ungewöhnlicher Anblick auf Weiden in der Region, sind schon vor einiger Zeit auf dem Hof eingezogen. Weitere Rinder verschiedener Rassen sollen folgen. Die ersten Gemüsekulturen, wegen der Hofübernahme spät im Jahr vor allem Zwiebeln, sind sehr gut gelungen. „Und sie haben auch wirtschaftlich ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet erzielt“, merkt Krämer an. Die Geschäftszahlen hat er ständig im Blick, auch wenn er auf dem Marienhof die Heugabel zur Hand nimmt oder Anbauteile für den Traktor konstruiert.

Oase für Landwirtschafts-Fans

Im Wirtschaftsjahr 2019 soll es richtig los gehen. Braugerste, Weizen und Dinkel sind zum Anbau vorgesehen, dazu Gemüse und seltene Kartoffelsorten, die besonders attraktive Preise erzielen. Das gilt auch für die Gewürzpflanzen, wie Salbei, Kümmel und Hanf oder essbare Blumen. Eine Fischzucht, deren Wasser als Dünger für ein Gewächshaus verwendet werden soll, ist ebenfalls vorgesehen.
Auch die Weiterverarbeitung und Vermarktung soll zu einem guten Teil auf dem Marienhof stattfinden. Eine Käserei, eine Fleischzerlegung mit Fleischreiferaum für 100 Rinderrücken, ein Hofladen und Gastronomie für maximal 50 Gäste sind geplant. Dirk Krämer schwebt aber kein herkömmlicher Restaurantbetrieb vor, sondern einmal im Monat eine exklusive Veranstaltung mit einem Spitzenkoch. Rund fünf Mitarbeiter soll der Marienhof haben. Bis alles in vollem Umfang steht, wird es aber Sommer 2020 werden. „Eine Wohlfühloase für alle, die Spaß an alternativer Landwirtschaft haben“, beschreibt Krämer sein Ziel.
Nicht jeder ist allerdings von seinen Plänen begeistert. Gegenwind bekommt er aus der Bauernschaft, allerdings eher von den Nebenerwerbs- als von den Haupterwerbslandwirten, die von ihrer Landwirtschaft leben müssen, und auch von verschiedenen Behörden. „Statt bei neuen Ideen zu unterstützten und zu helfen, gibt es eher kantige Nachfragen“, beschreibt Dirk Krämer seine Erfahrungen. Ähnliches hat er von anderen Biolandwirten gehört, und bei ihm kämen wohl noch die Vorbehalte gegenüber einem Quereinsteiger hinzu. „Mich selbst stachelt das eher noch an“, sagt Krämer. „Aber man stelle sich mal einen jungen Bauern vor, der den elterlichen Hof übernimmt und da was Neues vorhat: So jemand wird da eher eingeschüchtert.“

Biobetriebe sollen ein Netzwerk bilden

Krämer denkt über seinen Hof hinaus. Vor allem mit Hilfe der Kontakte aus seiner Unternehmertätigkeit hat er Abnehmer für viele der zukünftigen Produkte gefunden, denn der Hofladen und die geplanten Events werden dafür nicht ausreichen. Außerdem hat er Kooperationen mit Biobetrieben in der Region vereinbart, wie dem Gladbacher Hof, dem Tannenhof oder dem Hof Barmbach. Wechselseitig können sie ihre Hofläden oder regionale Lebensmittelbetriebe beliefern und so das jeweilige Sortiment erweitern. Im Bau befindet sich ein mobiler Verkaufsstand, den mehrere Höfen für ihre Produkte nutzen können und der an einem verkehrsgünstigen Punkt aufgestellt werden soll. Jährlich wechselnde Hoffeste oder Kulturveranstaltungen, organisierte Besichtigungen auf mehreren Höfen, ein Programm zur Einbindung von Schulen und Kindergärten sowie von Mitarbeitern, die es auf dem regulären Arbeitsmarkt schwer haben: Dirk Krämer hat viele Ideen. Er wird wohl noch ein paar Mal diejenigen überraschen, die am liebsten gar keine Veränderungen haben möchte.

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