Werbung:
Marktplatz Limburg-Weilburg Pinguin System

Michael Köberle: Seit 100 Tagen Landrat


Seit 100 Tagen ist Michael Köberle (CDU) Landrat des Landkreises Limburg Weilburg. Der Marktplatz Limburg-Weilburg hat mit ihm über seine Erfahrungen beim Auftakt im neuen Amt gesprochen und über das, was er in Zukunft für die Region und ihre Menschen bewegen will.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Wie haben Sie Ihre ersten Tage als Landrat wahrgenommen?
Köberle: Ich bin in der Verwaltung sehr gut aufgenommen worden und 95 Prozent aller Erfahrungen waren positiv, und das wäre in Schulnoten eine gute Eins. Die übrigen fünf Prozent waren nicht direkt schlecht. Das waren einfach Dinge, die man erst einmal kennenlernen muss, wenn man von außen kommt.

Der neue Landrat hat sich zum Auftakt mit den zahlreichen Mitarbeitern und Aufgaben der Kreisverwaltung vertraut gemacht. Aber er verschafft sich auch einen Überblick über die Privatwirtschaft in der Region, hier besucht Michael Köberle (Mitte) den Maschinenbaubetrieb Arnold Gruppe in Weilburg.
Der neue Landrat hat sich zum Auftakt mit den zahlreichen Mitarbeitern und Aufgaben der Kreisverwaltung vertraut gemacht. Aber er verschafft sich auch einen Überblick über die Privatwirtschaft in der Region, hier bem Besuch der Arnold Gruppe in Weilburg
Marktplatz Limburg-Weilburg: Was genau mussten Sie sich neu aneignen?
Köberle: Ein Punkt ist sicher die Vielfalt der Aufgaben eines Landkreises und damit des Landrats. Praktisch jede halbe Stunde gibt es ein anderes Thema zu bearbeiten. Das reicht von Landwirtschaft und Wirtschaftsförderung über Jugendbetreuung und Straßenbau bis hin zur Entsorgung von Müll. Ich habe es inzwischen geschafft, jeden Verwaltungsstandort des Landkreises zu besuchen und mit sehr vielen Kolleginnen und Kollegen persönlich zu sprechen. Das war mir sehr wichtig, weil ich verstehen will, was wir genau machen. Dabei habe ich immer klar gemacht, dass ich die Arbeit der Kreisverwaltung immer vom Bürger her sehe, der etwas erledigt oder geregelt haben will. Das ist ein etwas anderer Ansatz als der hergebrachte Blick von der Verwaltung her. Allerdings ist unsere Verwaltung in dieser Hinsicht schon gut aufgestellt: Es gibt nirgendwo akuten Handlungsbedarf für mehr Bürgerfreundlichkeit, wohl aber Potenzial für weitere Verbesserung.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Wo sehen Sie Ansatzpunkte für solche Verbesserungen?
Köberle: Beispielsweise sollten wir lernen, noch stärker als eine Einheit aufzutreten. Die Bürgerin oder den Bürger interessiert nicht, welches Dezernat oder welcher Mitarbeiter etwas gut oder weniger gut gemacht hat. Er sieht von außen die Kreisverwaltung als Ganzes. Daran müssen wir uns stärker messen.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Was bedeutet die neue Aufgabe für Sie persönlich?
Köberle: Einen großen Pluspunkt merke ich jeden Morgen, wenn ich das Auto im Kreishaus abstelle: Das ist dann noch kalt. Den nur noch kurzen Weg zur Arbeit genieße ich sehr. Für die Zeit, wenn das Wetter und die Terminlage es zulassen, habe ich mir fest vorgenommen, mit dem Fahrrad zu kommen.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Sie haben die Zuständigkeit für Straßenbau und andere Infrastruktur erwähnt. Das ist wichtig für die Einwohner im Landkreis, aber ganz besonders für die Firmen und Gewerbetreibenden. Wo sehen Sie Möglichkeiten, die Wirtschaft in der Region weiter voranzubringen?
Köberle: Das ist sehr vielseitig und geht über die Infrastruktur im engeren Sinn hinaus. Da sind beispielsweise die Fachkräfte, deren Mangel für viele Branchen zum Problem wird. Da müssen wir unsere Schulen optimal aufstellen. Wir sind auf diesem Feld schon gut dabei: Wir werden bis Oktober alle Schulen an das Glasfasernetz angeschlossen haben. Außerdem versuchen wir, alle Ausbildungszweige, insbesondere die hochwertigen, an unseren berufsbildenden Schulen zu halten, damit junge Leute keine unnötig weiten Strecken fahren müssen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Wie steht es um die klassische Infrastruktur, also beispielsweise die Kreisstraßen?
Köberle: Wir haben ein Straßenbauprogramm, in das auf Grundlage einer Prioritätenliste permanent investiert wird. Das sorgt zunächst einmal dafür, dass wir einige Straßen, die saniert werden, sperren müssen und damit sicher auch Verärgerung auslösen. Aber dafür werden wir innerhalb von maximal 30 Jahren alle Kreisstraßen saniert haben. Beim Breitbandausbau werden wir nach den Schulen auch die einzelnen Gewerbegebiete an schnelle Datenleitungen anschließen, insbesondere auch die entlegenen Standorte. Allerdings ist da die Planung nicht ganz einfach.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Wieso ist das nicht so einfach?
Köberle: Wir sind auch beim Breitbandausbau dazu verpflichtet, sorgsam mit dem Geld zu wirtschaften, das letztlich von den Bürgern kommt. Jetzt ist der so genannte Digitalpakt auf Bundesebene beschlossen. Es wird also Fördermittel geben. Allerdings sind die Fördersummen und -konditionen noch unklar. Wenn wir jetzt mit dem Breitbandausbau loslegen oder auch nur im Detail planen, bekommen wir möglicherweise keine Förderung mehr und hätten Geld aus dem eigenen Haushalt ausgegeben, das wir wenig später aus der Landes- oder Bundesförderung bekommen hätten.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Welche wirtschaftliche Stärken muss die Region ausbauen?
Köberle: Wir liegen verkehrsgünstig zwischen den Ballungsräumen Rhein-Main und Rhein-Ruhr, viele Einwohner sind in ihrem Beruf aber auch in der Freizeit auf Rhein-Main ausgerichtet. Diese enge Verbindung gilt es als Stärke zu nutzen und zu vertiefen. Aber in erster Linie müssen wir daran interessiert sein, selbst eine prosperierende Region zu bleiben. Und dazu ist es, gerade wegen der Nähe des attraktiven Rhein-Main-Gebiets, wichtig, qualifizierte Arbeitsplätze hier aufzubauen, dazu gute Angebote zur Kinderbetreuung und gute Schulen. Nur wenn das gelingt, werden junge Leute hier her kommen und bleiben oder von vornherein hier bleiben, wenn sie aus der Region stammen. Das ist eine Aufgabe für Landkreis, Kommunen, Wirtschaft und andere Akteure zusammen. Im Übrigen bin ich als Vater von vier Kindern daran auch ganz persönlich interessiert.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Gerade bei der Bevölkerungsentwicklung herrscht hier längst nicht überall eitel Sonnenschein: Limburg und die Kommunen im Süden des Landkreises wachsen aus eigener Kraft und durch die Nähe zu Frankfurt. In anderen Teilen des Landkreises stehen die Zeichen noch immer auf Stagnation oder Bevölkerungsrückgang.
Köberle: Der Landkreis kann hier nur zusammen mit den betreffenden Kommunen etwas erreichen, aber er kann sicher Rahmenbedingungen setzen. Dass man trotz einer Lage abseits der A3 oder der B49 prosperieren kann, zeigt sehr gut Mengerskirchen mit seinem hohen Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Von diesen und anderen positiven Beispielen gilt es zu lernen und solche funktionierende Lösungen untereinander auszutauschen. Das ist ein großes Pfund, mit dem die Kommunen wuchern können. Und eine Stärke haben wir schon, das zeigen gerade die Demonstrationen für bezahlbaren Wohnraum der vergangenen Wochen: Bei uns kann man noch bezahlbar im Grünen wohnen und, hoffentlich immer mehr, auch hochwertige Arbeitsplätze finden. Im Übrigen wird sich die Arbeitswelt wandeln. Wer zwei, drei oder vier Tage in der Woche mobil von zu hause arbeiten kann, ist noch viel weniger darauf angewiesen, in die großen Städte zu ziehen. An den dazu nötigen guten Datenverbindungen arbeiten wir.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Was sind Ihre konkreten Projekte für die nächsten 100 Tage?
Köberle: Ein Schwerpunkt wird auf dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) liegen. Da mussten wir zum Beginn meiner Amtszeit leider schon einmal eingreifen, als es um die Insolvenz der Firma Schermuly ging. Das Reagieren auf solche akuten Ereignisse gehört auch zu den Aufgaben eines Landrats. Da haben wir eine gute Lösung gefunden, die die Busverbindungen aufrecht erhält, den Mitarbeitern eine Perspektive bieten und nicht zuletzt für zukünftige Ausschreibungen von Verkehrsleistungen weiterhin einen Wettbewerb zwischen Anbietern aus der Region ermöglicht. In diesem Punkt ist die Kreisverwaltung natürlich proaktiv und will die Leistungen für die Nutzer verbessern. Mit den Landräten der Nachbarkreise Rhein-Lahn und Rheingau-Taunus habe ich bereits über den ÖPNV gesprochen und mit dem Westerwaldkreis wird es solche Gespräche noch geben. Mit dem Lahn-Dill-Kreis haben wir ohnehin eine gemeinsame Verkehrsgesellschaft haben, deren Aufsichtsratsvorsitzender ich bin. Hier gibt es neben der Optimierung bestehender Verkehrsangebote viel Bewegung in Richtung App-Lösungen und Anruf-Sammeltaxis. Diese technischen Entwicklungen gilt es für uns zu nutzen. Vor wenigen Tagen hat unsere Anlaufstelle für das Ehrenamt ihre Arbeit aufgenommen. Diese wird sich in Zukunft noch verstetigen, aber die Rückmeldung ist bereits positiv: Wann immer ehrenamtlich Aktive etwas mit der Kreisverwaltung besprechen müssen, bekommen sie es hier leichter gemacht.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Was gibt es sonst noch zu tun?
Köberle: Sicher ist die medizinische Versorgung ein Feld, auf dem der Landkreis durch das Setzen von Rahmenbedingungen etwas bewegen kann. Hier gilt es vor allem, mit dem demografischen Wandel umzugehen, mit mehr älteren Menschen, aber auch mit Schwierigkeiten beim Finden von Fachkräften für diesen Bereich. Medizinische Versorgungszentren sind dazu ein vielversprechender Ansatz. Wir können dabei die Möglichkeiten unserer großen Gesundheitsstandorte nutzen und kooperieren auch auf diesem Feld mit Lahn-Dill. Für uns in der Kreisverwaltung ist Digitalisierung ein großes Zukunftsthema. Auf Grundlage des Onlinezugangsgesetzes wollen und müssen wir bis 2023 viele Verwaltungsleistungen online zugänglich machen. Ein Plan für die einzelnen Schritte dorthin ist fast fertig. Die Umsetzung wird mit Hilfe einer Lenkungsgruppe im Haus erfolgen. Einen neuen Internetauftritt, in den wir auch die neuen sozialen Medien einbinden werden, erarbeiten wir derzeit. Dadurch werden wir stärker mit dem Bürger interagieren können, ohne alte Kommunikationswege abzuschneiden. Eine weitere Aufgabe ist die Integration derjenigen, die zu uns gekommen sind und bleiben wollen und dürfen. Das schaffen Sie letztlich nur über Arbeit. Damit erwerben diese Menschen sich selbst Akzeptanz in der Bevölkerung und als Fachkräfte werden sie auch gebraucht. Das bedeutet viel Arbeit, zu der auch der Landkreis seinen Teil beitragen muss.

Marktplatz Limburg-Weilburg: Was wünschen Sie sich allgemein für den Landkreis?
Köberle: Mich würde freuen, wenn das Bewusstsein noch stärker wird, dass wir alle zusammen ein Landkreis sind. Wir werden in meiner ersten Amtszeit das 50-jährige Bestehen des Kreises feiern. Auch nach dieser langen Zeit können wir an vielen Stellen noch enger zusammenarbeiten und viele Akteure im Kreisgebiet können noch mehr voneinander lernen und profitieren, gerade mit dem Blick darauf, dass wir alle auf Rhein-Main ausgerichtet sind. Bei all dem dürfen wir die allgemeine Lage auf der Welt nicht aus den Augen lassen. Der Brexit, Trumps Vorstellungen vom Welthandel, die Wirtschaftsentwicklung allgemein: Vieles deutet leider darauf hin, dass die optimalen Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre nicht anhalten werden. Wirtschaftlich wird es daher sicherlich nicht einfacher, und trotzdem werden wir gemeinsam unseren Landkreis positiv für die Zukunft aufstellen.

zurück

Marktplatz Limburg-Weilburg
Sie möchten Ihr Unternehmen, Ihren Verein oder News darstellen?
E-Mail: oder Telefon: 06431 - 914619

 

Die Wirtschaftsregion Limburg, Weilburg, Diez liegt zentral zwischen Frankfurt am Main und Köln mit sehr guten Verkehrsanbindungen in alle Richtungen. Mehr als 170.000 Menschen leben in dieser Region. Vielen von ihnen pendeln vor allem in das Rhein-Main-Gebiet, dabei gibt es in der Region Limburg viele große und interessante Unternehmen mit spannenden beruflichen Herausforderungen. Der Marktplatz Limburg-Weilburg stellt die Unternehmen der Region vor. Das Jobportal jobsinlimburgweilburg.de präsentiert die vielen interessanten Stellenangebote der Unternehmen, die Partner des Portals geworden sind.

 

Der Marktplatz Limburg-Weilburg und jobsinlimburgweilburg.de werden unterstützt von:

 

jobsinlimburgweilburg wird unterstützt vom Landkreis Limburg-Weiburgjobsinlimburgweilburg wird unterstützt von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Limburg Weiburg Diezjobsinlimburgweilburg wird unterstützt von der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weiburgjobsinlimburgweilburg wird unterstützt von der Kreissparkasse Limburg

© 2019 marktplatz-limburg-weilburg.de | AGB | Nutzungsbedingungen | Kontakt | Datenschutzerklärung | Impressum

Marktplatz Limburg-Weilburg auf Youtube

Marktplatz Limburg-Weilburg bei Facebook