Spaß am Einsatz für die Menschen in der Gemeinde

Datum: 06.01.2020


Interview mit Weilmünsters Bürgermeister Mario Koschel

In einer Reihe von Kommunen haben in den vergangenen Monaten junge Bürgermeister ihr Amt angetreten. Der Marktplatz Limburg-Weilburg interviewt in einer Serie die neue Generation der Rathauschefs.

Seit dem 1. November 2018 ist Mario Koschel (parteilos) Bürgermeister von Weilmünster. Zuvor hatte er sich in zwei Wahlgängen gegen anfänglich drei Mitbewerber um die Nachfolge des nicht mehr angetretenen langjährigen Amtsinhabers Manfred Heep durchgesetzt.

Sie sind gelernter Industriekaufmann und haben lange im Vertrieb gearbeitet. Wie kommt man dann darauf, sich für das Amt des Bürgermeisters zu bewerben?

Koschel: Ich bin ein klassischer Quereinsteiger mit zehn Jahren Berufserfahrung als Vertriebsmitarbeiter der Kelterei Heil in meinem Heimatort Laubuseschbach, danach zehn Jahren bei der Krombacher Brauerei und schließlich in einer Führungsposition bei einem Getränkeverlag in Gladenbach. Mit Kommunalpolitik als aktiver Gestalter kam ich in Berührung, als ich von der CDU 2010 angesprochen wurde, ob ich bei der Kommunalwahl 2011 für Ortsbeirat und Gemeindevertretung kandidieren wollte. Das habe ich gemacht, weil ich im Ortsbeirat etwas in meinem Heimatort bewegen wollte.
Für die Gemeindevertretung hatte ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich keine Ambitionen, habe mich aber mit auf die Liste schreiben lassen. Umso mehr hat es mich gewundert, dass ich auf Platz acht der Liste nach vorne gewählt wurde und damit sicher in der Gemeindevertretung war.

Woran lag das, also sowohl das Interesse der CDU an Ihrer Person als auch der Wahlerfolg?

Koschel: Da hat bestimmt das Ehrenamt eine Rolle gespielt. Ich war seit dem Alter von 23 Jahren Zweiter Vorsitzender des Sportvereins Laubuseschbach und habe mit 34 den Vorsitz übernommen, bei einem Schuldenstand von ca. 100.000 Euro durch den Bau eines Rasenplatzes und zweier Zisternen. Im vergangenen Jahr war dann die schwarze Null erreicht, allerdings seit 2016 unter einem neuen Vorstand. Das war der Deal mit meiner Frau: Als das zweite Kind kam, ich inzwischen Ortsvorsteher und in der Gemeindevertretung war, habe ich die Vorstandsarbeit abgegeben. Zuvor
hatte ich mit meinen Vorstandskollegen den gemeinsamen Spielbetrieb mit Weilmünster ausgehandelt, und das trotz der historischen Rivalität zwischen den beiden größten Ortsteilen. Dabei kam mir meine kompromiss- und lösungsorientierte Verhandlungsführung aus der beruflichen Erfahrung im Vertrieb zu Gute. Vor
diesem Hintergrund erklärt sich vielleicht, warum die CDU mich auf den Einstieg in die Kommunalpolitik angesprochen hat. Und auch im Wahlkampf kannten mich viele durch den Fußball und mein früheres Engagement in einer Bürgerinitiative gegen Windkraft im Laubus.

Sie erwähnten den Deal mit Ihrer Frau, um die Zeit für das Ehrenamt nicht überhand nehmen zu lassen. War dann für Ihre Kandidatur als Bürgermeister ein zweiter solcher Deal nötig?

Koschel: Es waren zumindest sehr aufregende und angespannte Tage für meine Familie und mich, noch dazu in der Weihnachtszeit: Plötzlich, kurz vor Weihnachten 2017, stand in der Zeitung, dass Manfred Heep nach 24 Jahren im Amt nicht mehr bei der Bürgermeisterwahl antritt. Das war überraschend, weil er im Amt ein sehr gutes Standing hatte. Meiner Frau war sofort klar, dass ich das versuchen wollte, allerdings haben wir erst einmal sehr intensiv darüber geredet, dass sie die
Belastungen im Wahlkampf und später im Amt mittragen muss. Für mich war die Erfahrung der Vorjahre wichtig, dass mir die Kommunalpolitik und der Einsatz für die Menschen in der Gemeinde so viel Spaß macht, dass ich das auf eine neue Ebene haben wollte.
Und dann musste ich bis zum 20. Februar meine 63 Unterstützerunterschriften als parteiloser Kandidat sammeln. Das war die erste sehr positive Erfahrung: Nahezu alle, die ich gefragt habe, haben mir ihre Unterschriften gegeben, und das waren nicht nur persönliche Bekannte und Leute aus dem Sportverein. Natürlich habe ich mit der CDU über eine Unterstützung verhandelt, aber dort fiel die Entscheidung auf meinen Mitbewerber Till Boger. Mit ihm arbeite ich übrigens nun vertrauensvoll zusammen, da er unser Hauptamtsleiter der Gemeinde ist.
Damit war für mich auch klar, dass ich Einzelkämpfer bin, und das stachelte meinen Ehrgeiz an.

Wie verlief der Wahlkampf?

Das hat oft viel Spaß gemacht. Der harte Kern meines Teams war die Familie. Wir haben zum Beispiel mit vier Leuten innerhalb von acht Stunden die gesamte Gemeinde plakatiert. Ich selbst war über rund zwei Monate hinweg praktisch jede freie Minute unterwegs, um mit möglichst vielen Einwohnern ins Gespräch zu kommen. Inhaltlich war die Feuerwehr ein großes Thema. Wir hatten immer sehr viel Geld in die Ausstattung investiert, hatten aber eine überalterte Fahrzeugflotte
und Baubedarf bei den Feuerwehrhäusern. Eine mögliche Zusammenlegung von Wehren war ein Thema. Ich habe mich klar für den Erhalt der Feuerwehren in den Ortsteilen ausgesprochen, habe aber gemerkt, dass wir dennoch optimieren müssen. Außerdem war mehr Transparenz und Kommunikation ein durchgängiges Anliegen vieler Bürger.

Wie war der Einstieg ins Amt?

Koschel: Grundsätzlich war der Amtsantritt als Bürgermeister leichter als er in einer anderen Kommune gewesen wäre. Das liegt an der hervorragenden Arbeit von Herrn Heep. Weilmünster ist eine der wenigen Kommunen, die bei der Sparkasse angesprochen werden, was sie mit dem Geld auf dem Konto anfangen wollen, statt mit Schulden klarkommen zu müssen. Hilfreich war auch, dass ich von der Wahl im Mai und dem Amtsantritt im November relativ viel Zeit zur Vorbereitung hatte. Ich habe Schulungen beim Hessischen Städte- und Gemeindebund und an der Landesfeuerwehrschule
absolviert, war im Oktober acht Tage auf dem Bauhof, habe mich bei allen Abteilungen in der Gemeindeverwaltung vorgestellt und den Mitarbeitern Bedenken genommen, dass „der Neue“ sofort alles Bewährte umschmeißen würde.

Wie sieht Ihre inhaltliche Bilanz nach gut einem Jahr im Amt aus?

Koschel: Passend zum Hauptthema im Wahlkampf haben wir nach rund zehn Monaten erstmals überhaupt eine Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Feuerwehren aufgestellt. In der inneren Organisation der Verwaltung habe ich eine Abteilungsleitersitzung alle 14 Tage eingeführt. Informationen gebe ich meistens per Mail an alle Abteilungen weiter, so dass zumindest die Abteilungsleiter immer wissen, woran andere Teile der Verwaltung gerade arbeiten. Außerdem haben wir ein paar Dinge am Bauhof verändert.
Aber es gibt auch Themen, die auf einen zukommen und auf die man dann reagieren muss. Da dominiert die im März bekannt gewordene geplante Verlegung der Vitos-Klinik und damit des wichtigsten Arbeitgebers am Ort nach Weilburg. Wir werden diese Entscheidung wohl nicht komplett umwerfen können, aber wir haben inzwischen die Verhandlungslage zwischen allen Beteiligten verbessert. Wir haben von Vitos die Zusage, dass man Weilmünster mit dem Problem nicht alleine lassen will. Es gilt nun die anstehenden Gespräche zwischen Vitos und dem KKH in Weilburg abzuwarten, bis erst Ergebnisse erzielt sind. Inzwischen sollten die fünf, sechs Jahre, die Vitos ganz sicher noch hier am Standort bleiben wird, gut zu
nutzen, um die Weichen für die Zeit danach zu stellen.
Im Juni des vergangenen Jahres wurde dann noch die Holzmarkt-Taunus-Westerwald GmbH mit Sitz in Weilmünster gegründet. Auch dieser Arbeitsaufwand war immens, da sich 12 Kommunen zusammenfinden mussten. Die GmbH ist nun ab dem 01.01.20 aktiv.

Sehen Sie einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der jüngeren und der älteren Generation von Bürgermeistern?

Koschel: Ein Unterschied ist, dass Bürgermeister früher stärker als Respektspersonen wahrgenommen wurden. Heute wird die Kritik, auch durch die modernen Medien, viel direkter geäußert. Da muss man ein dickeres Fall haben und darf auch niemand sein, der Kritik persönlich nimmt. Grundsätzlich ist es natürlich schade, dass der Umgangston so viel härter geworden ist. Auf der anderen Seite ermöglichen die neuen Medien einen direkteren, bürgernäheren Zugang gerade zur
jungen Generation. Ich habe beispielsweise viele Follower auf Facebook, die meist sehr positiv auf meine Beiträge reagieren.
Ein weiteres Element ist die Arbeitsweise. Mein Vorgänger hat weitgehend ohne Software und EDV gearbeitet. Ich hingegen gebe Antworten meist per E-Mail
raus. Das birgt allerdings die Gefahr, dass das persönliche Gespräch in den Hintergrund rückt.
Gerade jüngere Bürgermeister dürfen nicht vergessen, dass in einem persönlichen Gespräch viele Dinge besser ausgehandelt und entschieden werden können als per E-Mail.
Viele Bürgermeister der älteren Generation haben Entscheidungen oder Verträge mit externen Partnern alleine vorbereitet und sie dann erst zur finalen Ausarbeitung und Entscheidung der Verwaltung und der Gemeindevertretung präsentiert. Die jüngeren Kollegen neigen eher dazu, Entscheidungsprozesse schon früher öffentlich und transparent zu machen.


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