Einsatzstärke, Corona und E-Autos: Reichlich Herausforderungen für die Feuerwehren

Unternehmen: Kreishandwerkerschaft | Datum: 29.06.2020


„Stell dir vor, es brennt und keiner kommt löschen.“ So weit wird es im Landkreis Limburg-Weilburg hoffentlich niemals kommen. „Aber die Frage, wie wir die Reihen der Einsatzabteilungen gefüllt halten, ist ein großes Thema für die Feuerwehren“, sagt Thomas Schmidt, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands Limburg-Weilburg. Dabei sind die reinen Zahlen seit einigen Jahren stabil: rund 2700 Feuerwehrmänner und -frauen in den Einsatzabteilungen der Wehren im Landkreis und rund 1000 Jugendfeuerwehrleute. Die Kinderfeuerwehren boomen sogar und werden wohl noch stärker werden als ihre derzeit 600 Mitglieder.
Aber wenn man genauer hinschaut, wird es schwieriger mit der Personaldecke: Nur noch wenige Menschen arbeiten an ihrem Heimatort. Wer aber als Pendler tagsüber etwa im Rhein-Main-Gebiet ist, kann zu dieser Zeit bei einem Einsatz zu Hause nicht helfen. „Probleme schafft auch die zunehmende Flexibilität, die von Arbeitnehmern erwartet wird“, berichtet Schmidt. „Wenn ich um 19 Uhr zu einer Ausbildung im Feuerwehrhaus sein muss, mein Arbeitgeber aber gerade für ein Projekt zeitweise Mehrarbeit verlangt, kann das nicht funktionieren.“

Weniger am Schreibtisch, mehr im Einsatz

Der Verbandsvorsitzende hält eine teilweise Entlastung durch neue Organisationsstrukturen für möglich. Nach seiner Vorstellung könnten hauptamtliche Mitarbeiter der Kommunen Aufgaben in der Bürokratie, der Materialbeschaffung und Ausrüstungspflege übernehmen, die derzeit bei den Ehrenamtlichen der Feuerwehren liegen. Das könnte Kapazitäten für Ausbildung und Einsätze frei machen. Schließlich haben die Städte und Gemeinden letztlich die Pflicht, den Brandschutz und ähnliche Dienste sicherzustellen. Sie geben diesen Auftrag nur an die Feuerwehren weiter. Schmidt sieht ähnliche haupt- und ehrenamtlich gemischte Strukturen beim Technischen Hilfswerk (THW) als Vorbild an. „Allerdings ist das beim THW als Bundesbehörde etwas leichter umzusetzen“, räumt er ein. Zusätzliches Personal und damit Kosten dürften auf wenig Gegenliebe in Verwaltung und Politik stoßen. Auf der anderen Seite sei nicht jeder seiner Kameraden begeistert davon, beispielsweise die Aufgaben des Gerätewarts an einen kommunalen Angestellten abzugeben. „Es ist also sicher noch ein weiter Weg bis zu einer möglichen Lösung in dieser Art“, sagt Schmidt.
Ein weiteres Problem ist die Bevölkerungsentwicklung: Der Anteil älterer Menschen wird immer größer. Damit nimmt der Anteil derjenigen ab, die überhaupt dafür infrage kommen, den körperlich anstrengenden Feuerwehrdienst zu versehen. Zugleich muss die Feuerwehr häufiger Rettungsdienste in medizinischen Notfällen unterstützen und körperlich nicht mehr mobile Menschen mit technischem Aufwand aus ihrer Wohnung holen.

Mitgliederwerbung von Mensch zu Mensch

Mitgliederwerbung bleibt also eine zentrale Herausforderung für die Feuerwehren. Zum Glück kennt Thomas Schmidt ein bewährtes, erfolgreiches Mittel dazu: „Besser als alle Werbemittel, online oder offline, bleibt die persönliche Ansprache im Freundeskreis, im Ort, unter Bekannten, auch wenn das mühsame Kleinarbeit ist.“ 2015 hatten die Feuerwehren im Landkreis Limburg-Weilburg mit dieser Strategie eine Werbewoche absolviert und die respektable Zahl von 189 neuen Kameradinnen und Kameraden für die Einsatzabteilungen gewonnen. „Natürlich hilft es dabei, wenn ich den Feuerwehrmitgliedern Medien an die Hand gebe und sie entsprechend schule. Aber letztlich kommt es für den Erfolg auf die persönliche Ansprache und die Glaubwürdigkeit an“, sagt der Verbandsvorsitzende. Eine erneute Werbewoche will er anstoßen, wenn die Einschränkungen wegen Corona ausreichend zurückgenommen sind.
Unter Corona leidet auch die alltägliche Arbeit. Ausbildung und Pflege der Gemeinschaft in den Feuerwehren müssen nahezu komplett ruhen. Im Einsatz werden Abstand und Hygiene so gut wie möglich eingehalten, beispielsweise mit Mund- und Nasenschutz und weniger dicht besetzten Fahrzeugen. Oftmals sind die Feuerwehren bei der Bekämpfung der Pandemie eingesprungen, beispielsweise beim Verteilen von Masken in vielen Kommunen. Nach der Ansicht von Thomas Schmidt muss sich die Feuerwehr aber nicht grundsätzlich neu aufstellen oder ausrüsten, um bei eventuellen weiteren Corona-Wellen oder anderen Pandemien stärker eingreifen zu können. „Das ist in erster Linie ein Thema für das Gesundheitssystem und die medizinischen Hilfsdienste. Wo wir unterstützen können, tun wir das natürlich“, betont er. Sinnvoll sei es allerdings, in den Feuerwehrhäusern einen größeren Vorrat an Desinfektionsmittel und persönlicher Schutzausstattung bereitzuhalten.

Waldbrände werden häufiger

Was die Ausrüstung betrifft, stehen andere Entwicklungen im Blickpunkt. Der Klimawandel verursacht mit immer heftigeren Trockenphasen mehr Wald-, Wiesen- und Feldbrände. „Wir brauchen eventuell mehr Fahrzeuge, die im Fahren Wasser abgeben können, Fahrzeuge, die mehr Wasser mitführen, und vielleicht auch stärker geländegängige Fahrzeuge“, zählt Schmidt Überlegungen zur Ausrüstung auf. Das kann jedoch nur ein Teil der Lösung sein, vor allem angesichts der Kosten und der entsprechend langen Zeit bis zur Anschaffung neuer Feuerwehrautos. „Wir müssen genauso darüber nachdenken, ob der Angriff direkt an der Flammenwand die richtige Antwort auf einen Waldbrand ist oder ob man Auffanglinien in etwas Abstand einrichten soll.“ Wichtig sei auch, Landwirte mit ihren Tränke- und Güllefässern zum Wassertransport einzubinden.
Eine weitere Entwicklung, auf die die Feuerwehren noch Antworten finden müssen, sind Elektroautos, bei denen Brände wegen ihrer großen Batterien ein besonderes Problem sind. Anders als bei den inzwischen im Brandfall gut beherrschbaren Photovoltaikanlagen auf Dächern, stehen technische Lösungen für E-Autos noch ganz am Anfang. Eine Überlegung geht dahin, solche Autos komplett in ein transportables Wasserbecken zu versenken. „Nur welche Technik für ein solches Becken die beste ist und wie man es an oder auf einer Straße platziert: Das ist noch unklar“, sagt der Verbandsvorsitzende. Allerdings habe es bislang im Landkreis noch kein einziges ernsthaftes Brandproblem mit einem E-Auto gegeben. Noch viel weniger ist die richtige Vorgehensweise bei Wasserstoffautos abzusehen. Immerhin aber hat sich der inzwischen bewährte Flüssiggasantrieb als weitgehend problemlos in Sachen Brandgefahr herausgestellt.

Stiftung soll Feuerwehrleute absichern

Und schließlich arbeitet der Kreisfeuerwehrverband Limburg-Weilburg derzeit an der Gründung der Ernst-Joeres-Feuerwehrstiftung. Sie soll dazu dienen, in Feuerwehrangehörigen zu helfen, die in Notlagen geraten sind. „Das kam etwas überraschend, als wir im Jahr 2018 im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs eine Geldauflage in Höhe von 20.000 Euro zugesprochen bekamen. Da mussten wir uns eine sinnvolle Verwendung für diesen großen Betrag überlegen“, erinnert sich Schmidt. Inzwischen ist das zukünftige Stiftungskapital durch Beiträge der Feuerwehrvereine und durch die Beteiligung von Gönnern auf gut 50.000 Euro angewachsen. Parallel war viel rechtliche und vertragliche Feinarbeit zu erledigen. Derzeit fehlen nur noch die letzten Schritte, um die Ernst-Joeres-Feuerwehrstiftung endgültig einzurichten. Auch dieser Prozess steht wegen Corona still, soll aber so bald wie möglich abgeschlossen werden.

zurück

Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angebote ist ausschließlich der jeweilige Anbieter verantwortlich. Die Betreiber des Marktplatz Limburg-Weilburg übernehmen keinerlei Haftung.

Marktplatz Limburg-Weilburg
Sie möchten Ihr Unternehmen, Ihren Verein oder News darstellen?
E-Mail: oder Telefon: 06431 - 914619

 

Die Wirtschaftsregion Limburg, Weilburg, Diez liegt zentral zwischen Frankfurt am Main und Köln mit sehr guten Verkehrsanbindungen in alle Richtungen. Mehr als 170.000 Menschen leben in dieser Region. Vielen von ihnen pendeln vor allem in das Rhein-Main-Gebiet, dabei gibt es in der Region Limburg viele große und interessante Unternehmen mit spannenden beruflichen Herausforderungen. Der Marktplatz Limburg-Weilburg stellt die Unternehmen der Region vor. Das Jobportal jobsinlimburgweilburg.de präsentiert die vielen interessanten Stellenangebote der Unternehmen, die Partner des Portals geworden sind.

 

Der Marktplatz Limburg-Weilburg und jobsinlimburgweilburg.de werden unterstützt von:

 

jobsinlimburgweilburg wird unterstützt vom Landkreis Limburg-Weiburgjobsinlimburgweilburg wird unterstützt von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Limburg Weiburg Diezjobsinlimburgweilburg wird unterstützt von der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weiburgjobsinlimburgweilburg wird unterstützt von der Kreissparkasse Limburg

© 2020 marktplatz-limburg-weilburg.de | AGB | Nutzungsbedingungen | Kontakt | Datenschutzerklärung | Impressum

Marktplatz Limburg-Weilburg auf Youtube

Marktplatz Limburg-Weilburg bei Facebook Marktplatz Limburg-Weilburg bei Instagram